Mittwoch, 23.10.2019 08:38 Uhr

Europaquartier in Göttingen auf Kosten der Anwohner

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Göttingen, 06.09.2019, 20:45 Uhr
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Rund 370 Anwohner marschieren auf der Demoroute
Rund 370 Anwohner marschieren auf der Demoroute  Bild: Uwe Hildebrandt

Göttingen [ENA] Vor wenigen Jahren diskutiert, seit diversen Monaten in der konkreten Planungsphase, jetzt so gut wie abgeschlossen: In Göttingen soll aufgrund des mangelnden Wohnraums ein neues Großbauprojekt gestartet werden, 600 neue Wohnungen für ca.2000 Bewohner sollen entstehen, das sogenannte Europaquartier.

Dieses soll aus Platzmangel nicht in der Innenstadt, sondern am Rande der rund 125000 Bürger zählenden Stadt Göttingen, genau gesagt an ein Stadtteil von Göttingen, dem Holtenser Berg, angegliedert werden. Der Holtenser Berg wiederum ist ein Stadtteil mit rund 1300 Wohnungen, allerdings mit nur einer Zufahrtsstraße über eine uralte Brücke, eine zweite Zufahrtsstraße existiert theoretisch, wird aber von den Bürgern und OB des Ortes Holtensen seit Jahrzehnten rechtswirksam blockiert. Schon jetzt ist für die Anwohner die Belastung durch Verkehrslärm grenzwertig mit rund 7500 Durchfahrten am Tag, durch den Bau der 600 zusätzlichen Wohnungen werden pro Tag rund 3000 weitere Durchfahrten auf der einzigen Zufahrt geplant.

Auf den insgesamt 3 Bürgerinfoveranstaltungen wurden 8 verschiedene Vorschläge unterbreitet, wie man vielleicht doch noch die Option zweite Zufahrtgelegenheit realisieren könnte. Auf der letzten Frage-/Infoveranstaltung wurden die Ideen der Bürger zwar allesamt von der Stadt Göttingen abgeschmettert, aber der Eindruck erweckt, man werde den Bürgereingaben/Beschwerden Rechnung tragen, obwohl am Nachmittag schon alles beschlossen war. Diese Info konnten die Bürger aus der regionalen Zeitung am nächsten Tag schwarz auf weiss nachlesen, was die Stimmung bei den betroffenen Anwohnern nicht gerade aufbesserte.

Das Interesse der Stadt Göttingen und der 4 Bundestagsabgeordneten Herr Trittin von den Grünen, Herr Kuhle von der FDP, Herr Günzler von der CDU und Herr Oppermann von der SPD zeigte sich alsdann auch, dass bei der heutigen von langer Hand und in Medien publizierte Demoveranstaltung auf dem Holtenser Berg, initiiert von einer Bürgerinitiative, keiner der Herren anwesend war, auch kein Interesse der Stadt Göttingen, einen Vertreter zu entsenden.

Vor rund 370 Teilnehmern wies die Bürgerinitiative nochmals auf die bestehende Problematik mit der Lärmbelastung und einmaliger Zu-/Abfahrt hin, doch weitere Probleme stehen an: Weil sich aber nach der Brücke zum Holtenser Berg eine Engstelle befindet müßte diese verbreitert oder ein Kreisverkehr eingerichtet werden; bedeutet: Von der dort befindlichen Baumallee müßten 2 - 3 Bäume weichen. Das bekannte Thema hatten wir in Göttingen schonmal vor Jahren bei der Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft, auch hier mußten Bäume weichen. Selbst Die Grünen fanden das damals nicht schlimm, Tenor: Woanders werden wieder Bäume gepflanzt. Na dann weg damit.

3 der Initiatoren der Bürgerinitiative Holtenser Berg

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Man stelle sich an einer solchen Großbaustelle mal die täglichen Baufahrzeuge, Maschinen usw. vor, über welchen Zeitraum eine extreme Lärmbelastung für die Anwohner herrscht, die rund um die Baustelle wohnen. Zwar sollen die Baufahrzeuge einen alternativen Anfahrtsweg wegen der Schmutzbelastung bekommen, der Lärm bleibt aber dennoch. Wer derzeit mal das Bettenhaus 1 im Uniklinikum Göttingen besucht, der weiß wie weit und laut sich Baulärm selbst in vermeintlich großer Entfernung noch hören läßt. Da kann man den Anwohnern nur raten, genau die Gründe und Vorgaben einer Mietkürzung wegen andauernder Lärmbelastung zu prüfen.

Die Bürgerinitiative hat auf der Kundgebung nun angekündigt, man werde sich nicht unterkriegen lassen und weiter um eine zweite Zufahrtstraße kämpfen. Notfalls hätte man ja die Stimme bei der nächsten Wahl. Das reicht aber nicht. Denn echter Bürgerdialog mit den Politikern dieser Region Fehlanzeige. Bis die nächste Wahl ist, ist alles vorbei. Ein letztes Bürgergespräch soll es nochmals nach Fertigstellung des Bebauungsplans geben; ob da noch eine Einigung mit den Anwohnern oder echte Berücksichtigung der Probleme Wirklichkeit wird, glaubt wohl derzeit keiner im Ernst. Ohne Rechtsmittel wird die Stadt wohl nicht einlenken.

Hauptsache, die Stadt Göttingen und die verantwortlichen Politiker gehen die Sache nochmals nüchtern an, denn seit Jahren machen auf dem Holtenser Berg die ohnehin spärlichen Einkaufsmöglichkeiten mehr zu als auf; es gibt gerade mal einen Lebensmittelmarkt, Friseur, Lotto-/Tabakladen und Apotheke. Super, bei dann 1900 Wohnungen !!! Wer in dieser Sache mehr erfahren möchte, Hilfestellung und Infos parat hat oder einfach Kontakt zur Bürgerinitiative haben möchte, kann gerne die beiden Hauptinitiatoren Norbert Hopp und Udo Schlaudraff unter der Email nhopp41@gmx.de erreichen. Jede Unterstützung zählt.

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