Dienstag, 13.11.2018 22:15 Uhr

Das gar nicht „edle“ Edelgas

Verantwortlicher Autor: Friedrich Scheuerecker Augsburg, 04.05.2018, 12:18 Uhr
Presse-Ressort von: Friedrich Scheuerecker Bericht 5756x gelesen

Augsburg [ENA] Im März trafen sich zum achten Mal Fachleute im Bayerischen Landesamt für Umwelt, um sich über ihre Kenntnisse und Erfahrungen zum Thema Radon auszutauschen. Radon ist ein Thema mit gesundheitlicher Relevanz. Es kommt in Form eines Edelgases als natürliches Zerfallsprodukt von Uran im Erdreich vor. In regional unterschiedlichen Konzentrationen kann es sich in der Raumluft geschlossener Räume anreichern.

Aufgrund seiner Edelgaseigenschaften und der Halbwertszeit von knapp vier Tagen wird Radon zum größten Teil wieder ausgeatmet, während seine kurzlebigen radioaktiven Zerfallsprodukte im Atemtrakt abgelagert werden und dort zerfallen. Die dabei entstehende energiereiche und biologisch sehr wirksame Alphastrahlung kann die Zellen des Bronchialephitels schädigen und damit die Entstehung von Lungenkrebs begünstigen. Am 27.06.2017 wurde das neue Strahlenschutzgesetz erlassen, auf dessen Grundlage derzeit an einer Strahlenschutzverordnung gearbeitet wird, die unter anderem auch die gesetzlichen Vorgaben zum Radonschutz konkretisiert. Erste Entwürfe sehen vor, dass die Länder Radonvorsorgegebiete auszuweisen haben.

Festzulegen sind die Gebiete, in denen zu erwarten ist, dass die Radon-Aktivitätskonzentration in einer beträchtlichen Zahl von Gebäuden mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen den Referenzwert von 300 Becquerel je Kubikmeter überschreitet. Für Wohnungen ist im Strahlenschutzgesetz der gleiche Referenzwert festgelegt. In diesen Vorsorgegebieten sind an allen Arbeitsplätzen im Keller und Erdgeschoss Radonmessungen durchzuführen. Neubauten müssen ab dem 31.12.2018 einen geeigneten Radonschutz aufweisen. Diese Pflicht gilt als erfüllt, wenn das Gebäude die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik erforderlichen Maßnahmen zum Feuchteschutz einhält.

Für die ausgewiesenen Radonvorsorgegebiete werden weitere Vorgaben in der Strahlenschutzverordnung konkretisiert. Zur Ausweisung der Vorsorgegebiete wird eine Größe verwendet, die als „geogenes Radonpotential“ bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich um ein Maß dafür, wie stark Radon aus dem Boden entweichen und potentiell in Innenräume von Häusern gelangen kann. Die wichtigsten Variablen für das Radonpotential sind die Radonkonzentration in der Bodenluft und die Gasdurchlässigkeit des Bodens. In Gebieten mit einem niedrigeren Radonpotential wird davon ausgegangen, dass die gängigen Anforderungen an den Feuchte- und Klimaschutz im Bau ausreichend das Eindringen von Radon behindern.

Fachleute sind sich aber auch einig, dass aus dem Radonpotential nicht grundsätzlich auf die Radonkonzentration im Innenraum eines Hauses geschlossen werden kann. Ergänzend zu den rechtlichen Vorgaben plädieren diese zur breiten Information der Bevölkerung, Initiierung von Messkampagnen und dem Konsens, dass Messungen nötig sind um zu prüfen, ob ein erhöhtes Risiko vorliegt. Einen kompakten Überblick zum Thema finden Sie beispielsweise unter www.radonberater.de.

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